anwema-Studie: Health care & Corona im Jahre 2022

Die medizinische Grundversorgung und fachärztliche Vorsorgeuntersuchungen wurden im Zuge von Corona deutlich reduziert, wie unsere Studie Health care & Corona mit n = 1.041 Erwachsenen ab 16 Jahren in Deutschland im August 2022 zeigt. Dennoch liegt, entgegen der Erwartungen, die Nutzung digitaler Gesundheitsangebote in der Bevölkerung mit rund 8 Prozent weiterhin auf geringem Niveau – es mangelt an Bekanntheit und guten Einstiegsmöglichkeiten. Die Studie zeigt zudem, dass die verschiedenen Patientengruppen in Sachen Gesundheit und Vorsorge in Zeiten von Corona ganz unterschiedlich angesprochen oder abgeholt werden müssen. 

Wohl noch nie wurde in Deutschland Tag für Tag in solch einem Ausmaß über Erkrankungen, Impfstoffe, Gesundheit und Vorsorge gesprochen, alarmiert und getwittert wie während der letztenzweieinhalb Jahre der Corona-Pandemie: Das Virus und der Kampf gegen COVID-19 bestimmen seit Anfang 2020 die Nachrichten, die Gesundheitspolitik und den Lebensalltag der Menschen in Deutschland – den der Ärzt*innen und des medizinischen Fachpersonals ebenso wie den der Patient*innen und Laien.

Die vergangenen zweieinhalb Jahre brachten neue Routinen bei den Hygienegewohnheiten und eine „Pandemiekompetenz“ mit sich, die im Jahre 2019 in Deutschland kaum vorstellbar waren. Diverse Prozesse in der medizinischen Versorgung und im Arbeitsleben wurden mit ungewohntem Pragmatismus kurzfristig angepasst: Plötzlich reichte zum Beispiel für die Bestellung eines Folgerezepts oder eine Krankmeldung ein kurzer Anruf in der Praxis, und schon lag das Rezept oder die AU am nächsten Tag im Briefkasten. Ziel der neuen Prozesse war es, nicht zwingend notwendige Kontakte insgesamt zu reduzieren und insbesondere das medizinische Fachpersonal in den Praxen durch die Reduktion des Patientenaufkommens zu schützen.

Aus medizin-soziologischer Sicht drängen sich angesichts dieser Entwicklung einige Fragen auf:

  • Welche Auswirkungen haben die Pandemie, die Kontaktbeschränkungen und die neuen Prozesse in der medizinischen Versorgung auf das generelle Gesundheits- und Vorsorgeverhalten der Menschen?
  • Gibt es Unterschiede bei den Anpassungsreaktionen der einzelnen und wenn ja, was sind die Gründe?
  • Wie steht es nach zweieinhalb Jahren Arztkontakt-Vermeidung mit der Relevanz und Nutzung digitaler Gesundheitsangebote wie Telemedizin, elektronische Patientenakte, e-Rezept oder DiGA?

Mit unserer bevölkerungsrepräsentativen Studie Health care & Corona gehen wir diesen Fragen auf den Grund: Im August 2022 befragten wir n = 1.041 Erwachsene im Alter von 16+ Jahren im Online-Panel von Bilendi&respondi zu gesundheitsrelevanten Aspekten ihres Lebensstils, zum medizinischem Vorsorge-Verhalten und zu ihrem Interesse an digitalen Gesundheitsservices in Zeiten von Corona.

Die Studie zeigt:

  • Knapp 50 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahre in Deutschland hat in den letzten zwei Jahren die Besuche bei den verschiedensten Fach-/Ärzt*innen reduziert, rund 40 Prozent nahmen weniger Vorsorgeuntersuchungen wahr als vor der Pandemie. Die Gründe sind ganz unterscheidlich, sei es, wegen der Ansteckungsgefahr, weil man in den letzten 2 Jahren generell möglichst nicht zum Arzt*zur Ärztin gehen sollte, weil sie schlichtweg nicht mehr daran dachten oder weil sie Praxisteams schlechter erreichten
  • Trotz aller Kontaktbeschränkungen bei der medizinischen Versorgung ist die Möglichkeit der Telemedizin / Videosprechstunde erst 55 Prozent der Befragten bekannt, nur 8 Prozent von ihnen haben sie bislang genutzt
  • Auch die verschiedenen Splitgruppen-Vergleiche sind lohnenswert. Der Vergleich der bereits Geimpften (80%) mit den Ungeimpften (19%) zeigt beispielsweise deutliche Unterschiede bei ihrem jeweiligen Vertrauen in das deutsche Gesundheitssystem und die deutsche Ärzteschaft; allerdings auch klare Unterschiede bei der persönlichen Versorgungsmentalität und der Kompetenz hinsichtlich digitaler Gesundheitsangebote.
  • Zumindest von der Möglichkeit der Telemedizin hat die Mehrheit der Bevölkerung bereits gehört (61%), keine 10% haben diese Möglichkeit bereits genutzt. Andere Angebote für die digitale Gesundheitsversorgung sind zum Teil deutlich weniger bekannt, von DiGAs (Digitalen Gesundheitsanwendungen) hat bislang nur gut jede*r Dritte gehört. Gut 40% der Befragten glauben, dass ihnen solche Angebote im Alltag nützen können, allerdings weiß nur jede*r Fünfte, wie er*sie hierzu einen Einstieg finden kann. 

Health care & Corona – Studiendesign und -inhalte im Überblick

Studientitel: Health care & Corona

Zielsetzung: Untersuchung des medizinischen Vorsorge-Verhaltens und Veränderung des gesundheitsrelevanten Lebensstils in Zeiten von Corona

Stichprobe: n = 1.041 Erwachsene 16+ Jahre in Deutschland, bev.-rep. nach Alter, Geschlecht und Region

Methode: Online-Umfrage, quotierte Zufallsauswahl im Online-Panel von Bilendi &respondi

Umfang: 37 Fragen davon 5 offene inkl. umfangreicher Soziodemografie und Gesundheitsangaben

Feldzeit: 03.08.-12.08.2022

Institut: anwema | anja wenke marktforschung, Köln

Die Frageinhalte im Überblick:

  • Persönliches Ärztespektrum: Besuchsfrequenz bei Fach-/Ärzt*innen, normalerweise
  • Änderung der Besuchsfrequenz seit März 2020 / im Zuge der Pandemie
  • Aktueller Impfstatus / Anzahl Impfungen
  • Erlittene Corona-Infektionen / Anzahl
  • Wahrnehmung von Vorsorgeuntersuchungen seit März 2020
  • Gründe für seltenere Vorsorgeuntersuchungen
  • Gründe für häufigere Vorsorgeuntersuchungen
  • Pandemiebedingte Verschiebungen/Absagen von Therapien oder OPs
  • Gründe für Therapie-/OP-Verschiebungen bzw. -Absagen
  • Persönliche Veränderung des Lebensstils, letzte 2 Jahre
  • Generelle Verwendung von RX-/OTC-Präparate-Gruppen
  • Persönliche Veränderung der RX-/OTC- Präparate-Verwendung seit März 2020
  • Selbsteinschätzung des heutigen Lebensstils im Kontext von Corona
  • Gründe für die Entwicklung eines gesünderen Lebensstils im Vergleich zu 2019
  • Gründe für die Entwicklung eines ungesünderen Lebensstils im Vergleich zu 2019
  • Gründe für einen unveränderten Lebensstils im Vergleich zu 2019
  • Verantwortliche Institutionen/Akteure für Impulse zur Gesundheit und Vorsorge
  • Digitale Gesundheitsangebote: Bekanntheit, Relevanz, bisherige Nutzung Info-Interesse
  • Persönlicher Informationsstand Digital-Health – Statements
  • Aktuelles Vertrauen ins dt. Gesundheitssystem, die dt. Ärzteschaft und den Erhalt von individuellen Therapien/Dosierungen
  • Steigerung bzw. Abnahme des Vertrauens ins dt. Gesundheitssystem, Ärzteschaft und individuelle Therapien/Dosierungen, letzte 2 Jahre
  • Abschlussfrage: Offene Feedback

Umfangreiche Soziodemografie: Alter, Geschlecht, Bundesland, bestehende chronische Erkrankungen, Berufstätigkeit, Bildungslevel, Krankenversicherung, Haushaltsgröße, Anzahl Kinder im Haushalt, ,Haushalts-Nettoeinkommen, Körpergröße, Gewicht, Body-Mass-Index,  (BMI), Selbsteinschätzung des aktuellen Fitness-Status

 

Sie haben Interesse an den Studienergebnissen? Greifen Sie zu!

Hier unsere Angebots-Optionen* für den Studienbezug:

  • Ergebnisbericht in PPT: Euro 490,-
    Alle Ergebnisse auf Basis Gesamt, Geschlecht und  Altersgruppen inkl. Mgmt-Summary; ca. 100 Folien

  • Online-Dashboard auf Basis Gesamt: Euro 190,-
    Zugriff auf das Online-Reporting für mind. zwei Jahre (24/7)

  • Online-Dashboard, jede weitere Splitgruppe: Euro 95,-
    Zugriff auf das Online-Reporting für mind. zwei Jahre (24/7)

  • Zusatzanalysen & -berichte in PPT:  Angebot auf Anfrage

 

Kontakt: Anja Wenke | anja.wenke@anwema.de

Alle Preise zzgl. MwSt.; Bild von muhammad rizky klinsman auf Pixabay 

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GDs:

Gruppendiskussionen

In Echtzeit zusammen diskutieren und spontan die diversen Standpunkte eruieren

GDs - Was ist das? Wie läuft das?

Bei einer GD wird eine kleine Gruppe ausgewählter Proband*innen im Kontext eines bestimmten Themas für ca. 1,5-2 Stunden zur gemeinsamen Diskussion eingeladen. Die Rekrutierung erfolgt im Vorfeld durch kurze Vorbefragungen. GDs lassen sich sowohl in einem Studio (F2F) als auch online in einer virtuellen Konferenz umsetzen und finden in der Regel live statt. Um die Ergebnistiefe zu erweitern, werden für ein Thema i.d.R. zwei bis vier GDs mit verschiedenen „Typen“ Ihrer Zielgruppe durchgeführt. GDs zählen zu den klassischen qualitativen Erhebungsmethoden.

anwema entwickelt gemeinsam mit Ihnen den GD Leitfaden, rekrutiert die Teilnehmenden, bucht die Studios (online oder in den Städten ihrer Wahl) und moderiert die GDs. Sie verfolgen die Diskussion als stille*r Beobachter*in per Beobachterlink oder im Studio vor Ort hinter einer großen, verspiegelten Beobachterwand im Raum nebenan

GDs – Einsatzgebiete

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MROCs:

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Gemeinsam tiefgehende, lebensnahe und authentische Insights generieren. 

MROCs - Was ist das? Wie läuft das?

MRCOs sind geschlossene, onlinebasierte Research Communities, also Internet-Plattformen. Zuvor rekrutierte Proband*innen werden eingeladen, um hier individuell oder gemeinsam Aufgaben zu bestimmten Studienthemen zu bearbeiten. Narrative Schilderung von Erfahrungen oder Erlebnissen, die Erstellung von Collagen, gemeinsame Diskussionen, die Aufzeichnung von Websitebesuchen oder Co-Creation… – den Aufgabenstellungen sind kaum Grenzen gesetzt. Alle können bequem via Internet teilnehmen, wann und von wo aus sie wollen. Die Laufzeit einer MROC kann 3 Tage, 3 Monate oder auch länger dauern, je nach Studienziel.

anwema entwickelt gemeinsam mit Ihnen das MROC-Konzept, setzt technisch alles auf, moderiert die Community, führt durch die Themen und stellt Rückfragen – auch solche, die auf Kundenseite aufkommen. Denn Sie als Kundin oder Kunde sind als stille Beobachter*in stets live mit dabei.

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